Presse
Hildesheimer Allgemeine Zeitung - 14.03.2011
Kleine Wahrheiten originell verpackt
Kurzweilig und innovativ: A-Cappella-Quintett "Fünf vor der Ehe" singt in der Kulturfabrik
Von Andreas Kreichelt
HILDESHEIM. Wie praktisch muss das eigentlich sein als A-Cappella-Band? Während andere Gruppen alleine für Schlagzeug und Gitarrenverstärker zumeist einen Transporter brauchen, kommt "Fünf vor der Ehe" mit Mikrofonen im Handgepäck aus. Wie voll und satt das klingt, ist beim nunmehr dritten Auftritt der Boygroup in der Kulturfabrik Löseke zu erleben. Eindeutig ist: Die fünf überzeugten Junggesellen haben intensiv an ihrem neuen Programm "Heute ein Frau" gearbeitet. Das kann sich sehen und vor allen Dingen hören lassen.
Wobei der Einstieg in den Abend zunächst etwas gewagt erscheint. Die Coverversion "In The Air Tonight" von Phil Collins lädt zu sehr ein zum Vergleich aus den USA. Klar, da sind sieben Stimmen am Werk, da klingt die "Human-Beat-Box", also die Schlagzeugimitation mit Mund und Mikrofon, erheblich satter. Das merkt man gerade beim für diesen Song charakteristischen Lauf über die Toms. Von daher ist diese Auswahl viellicht etwas unglücklich. Natürlich ist das ein Vergleich auf hohem Niveau. Und den hat sich "Fünf vor der Ehe" durchaus verdient - denn ansonsten gibt es kaum etwas auszusetzen.
Im weiteren Verlauf setzt das Quintett aus Hannover überwiegend auf eigene Kompositionen. Die haben es in sich. Die Texte bieten sowohl Witz wie auch Tiefgang, die Verbindungen von Choreografie und Musik sind gelungen. Die zuletzt mit dem Kulturpreis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover ausgezeichnete Gruppe thematisiert bei "Liebe übers Internet" eine sehnsüchtige und sexuell befreite Beziehung im Chatroom, klärt in "Musiker" über die finanziellen Hintergründe ihres Berufes auf oder singt in "Heute eine Frau" über eine Jugendliebe, die auch im Laufe der Jahre nicht zu einer Romanze werden will. Kleine Wahrheiten des Lebens in einer originellen Verpackung.
Groß ist dann zum Ende einer gelungenen Darbietung das "Dance-Medley" mit Songs von Prince oder Michael Jackson sowie das "Herzschmerz-Medley", in dem vor allem die Umsetzung von "Nothing Compares To You" von Sinead O'Connor für eine deftige Gänsehaut sorgt.
Zwar ist im Vergleich zu dienstälteren Kollegen wie Ganz schön feist, Wise Guys oder Maybebop noch Luft nach oben auszumachen. Doch die wird zunehmend dünner. Was die fünf Herren auf die Bühne bringen, ist kurzweilig, innovativ und zu Recht inzwischen kein Geheimtipp mehr. Die Energie, die sich die Band vielleicht beim Transportieren gespart hat, scheint komplett in die Darbietung geflossen zu sein. Das hat sich gelohnt.


